Tagung erinnert an Clemens August von Galen
85 Jahre nach den berühmten Predigten des „Löwen von Münster“ beschäftigte sich am vergangenen Samstag eine Tagung in Münster mit dem mutigen Eintreten des seligen Bischofs gegen die nationalsozialistischen Verbrechen. Dabei ging es auch um die Frage, welche Bedeutung sein Handeln für Christen und die Gesellschaft von heute hat.
Unter dem Titel „Aufstehen für Menschenrechte“ veranstaltete die Aktion Lebensrecht für Alle e. V. (ALfA) am Vorabend von Allerheiligen eine Tagung in Münster. Anlass war der 85. Jahrestag der drei bedeutenden Predigten, mit denen Bischof Clemens August von Galen im Sommer 1941 insbesondere gegen die systematische Ermordung kranker und behinderter Menschen protestiert hatte.
Den Auftakt bildete eine Eucharistiefeier im St.-Paulus-Dom mit Weihbischof Dr. Stefan Zekorn. Anschließend versammelten sich die Teilnehmer am Grab des seligen Clemens August von Galen in der Ludgerus-Kapelle, wo eine Kerze entzündet wurde.
Der Mut, öffentlich Stellung zu beziehen
Im Rahmen der Tagung im Zwei Löwen Klub beleuchteten mehrere Referenten die historischen Hintergründe und die Wirkung der Predigten.
Pfarrer Markus Trautmann aus Dülmen zeichnete den Weg von Galens bis zu seinem öffentlichen Protest 1941 nach. Dabei ging er auch auf dessen frühe Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Ideologie und seine Verbindung zu Papst Pius XI. sowie zur Enzyklika „Mit brennender Sorge“ aus dem Jahr 1937 ein.
Pfarrer Dr. Josef Wieneke widmete sich der Verbreitung der Predigten. Durch Abschriften und Weitergaben wurden die Ansprachen weit über das Bistum Münster hinaus bekannt und erreichten zahlreiche Menschen.
PD Dr. Maria Anna Zumholz untersuchte, weshalb das NS-Regime trotz des deutlichen öffentlichen Widerspruchs von einer Verhaftung des Bischofs absah. Eine solche Maßnahme hätte erhebliche Unruhe in der katholischen Bevölkerung auslösen und von Galen möglicherweise zum Märtyrer machen können.
Ein Auftrag, der bis heute aktuell ist
In einer abschließenden Podiumsdiskussion ging es um die Frage, welche Orientierung das Lebenszeugnis von Clemens August von Galen heute geben kann.
Sein entschiedenes Eintreten gegen die nationalsozialistischen Krankenmorde macht deutlich: Die Würde des Menschen darf niemals von Gesundheit, Leistungsfähigkeit oder gesellschaftlichem Nutzen abhängig gemacht werden. Staatliche Macht findet dort ihre Grenze, wo grundlegende Menschenrechte verletzt werden.
Auch aktuelle ethische Debatten, etwa über den Schutz ungeborener Kinder und den Umgang mit vorgeburtlich festgestellten Behinderungen, zeigen, wie aktuell diese Fragen geblieben sind.
Die Tagung war Teil des von der ALfA getragenen von Galen-Projekts. Es möchte Geistliche und Seelsorger vorstellen, die im Leben und Wirken des seligen Bischofs wichtige Impulse für ihren eigenen Dienst finden.
Die Veranstaltung machte deutlich: Clemens August von Galen ist nicht nur eine bedeutende Gestalt der Kirchengeschichte. Sein Beispiel erinnert bis heute daran, dass christliche Verantwortung auch bedeutet, gegen Unrecht aufzustehen und der Würde jedes Menschen eine Stimme zu geben.
Fotos: Petra Fuchs
Menschenrechte